Kurzarbeit – die wirkvollste gefährliche Maßnahme zur Rettung der Wirtschaft

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

Die Spannungen an den Kapitalmärkten bleiben hoch. Selbst der japanische Aktienmarkt kommt nun, auch im historischen Vergleich, etwas in Wallung. Durch die massiven Kaufprogramme der Bank of Japan in den vergangenen Jahren, ist diese zu einem der größten Aktieninvestoren des Landes geworden. Und, sie kauft kontinuierlich weiter zu. Fügt man die Bestände des GPIF, des staatsnahen, größten Pensionsfonds der Welt hinzu, so halten diese Instituionen zusammen über zehn Prozent der Marktkapitalisierung des japanischen Aktienmarktes. Das war im bisherigen Krisenverlauf eine gigantische Beruhigungspille für die Märkte. Das dürfte einer der wesentlichen Faktoren dahinter sein, dass wir in Japan derzeit ein anderes Marktverhalten beobachten als in der großen Finanzkrise 2008/2009. 

Auf politischer Ebene tun sich erstaunliche Entwicklungen auf. Während in Villabajo (Deutschland, Niederlande) noch darum gestritten wird, ob “Coronabonds” der eigenen Bevölkerung zuzumuten seien, wird in Villarriba (hier: Europäische Kommission) schon kräftig an den Plänen an einer Gemeinschaftsanleihe gearbeitet. “SURE” soll das Programm heißen, welches einzelnen Staaten in der Not die Finanzierung von Programmen zur Kurzarbeit erleichtern soll. 100 Mrd. EUR sollen als Darlehen für die Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen. Da hierfür Garantien der Mitgliedstaaten über 25 Mrd. EUR notwendig waren, auch aus Villabajo, spricht Frau von der Leyen zurecht von der “European solidarity in action”.

Der breite Einsatz des Instruments der Kurzarbeit in ganz Europa ist der positiven Erfahrung mit diesem Instrument in der Finanzkrise 2008/2009, insbesondere auch in Deutschland, zu verdanken. Dieses Instrument ist sehr mächtig. Es erlaubt, dass viele Angestelltenverhältnisse trotz der Krise für eine gewisse Zeit erhalten bleiben. Damit wird der Punkt, an dem die Wirtschaft strukturell Schaden nimmt  nach hinten verschoben. Die Voraussetzungen für eine mögliche schnelle Erholung der Wirtschaft nach der Krise werden verbessert.

Durch ihren breiten Einsatz kann die Kurzarbeit aber problematisch werden. Sie führt dazu, dass breite Teile der Arbeiterschaft deutliche Einbußen des Nettogehalts hinnehmen müssen. Der Verlust an Kaufkraft wird somit nicht “nur” die Arbeitslosen betreffen, sondern auch jene in Beschäftigung. Hierdurch kann, bei übermäßigem
Einsatz, ein nachhaltiger disinflationärer Druck entstehen. Das Gespenst der Deflation spukt bald wieder. Nach Paracelsus, “Alle Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift – allein die Dosis macht, das ein Ding’ kein Gift ist.”

Quelle: Bloomberg

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