In den USA wird die Systemfrage gestellt – eine neue Unbekannte

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

Zwischen den vielen “historischen” Tagen der vergangenen drei Wochen ragt 16.03.2020 besonders heraus. Am Montag (16.03.2020) sind die Kurse von Gold, Aktien, Öl und Staatsanleihen deutlich und zeitgleich gefallen (s. Grafik). Ein solch massiver und gleichzeitiger Rückgang deutet darauf hin, dass viele Marktteilnehmer von einer “Flucht in sichere Häfen” in den Panikmodus (Cash is King) wechselten. Es wurde liquidiert, was liquidiert werden konnte.

Am Sonntag (15.03.2020) hatte die Fed in einer überraschenden Aktion den Leitzins um einen vollen Prozentpunkt auf 0%-0,25% gesenkt und weitere geldpolitische Maßnahmen angekündigt, u.a. den Aufkauf von Staatsanleihen für weitere 500 Mrd. USD. Im gleichen Zug bestätigte die Fed, dass die Probleme am US-Repo-Markt eine stärkere Unterstützung durch die Notenbank erforderten. Die Entscheidungen der Notenbank waren so weitreichend, dass mehrere Marktkommentatoren folgerten, würden diese Maßnahmen nicht ausreichen, die Verluste an den Aktienmärkten umgehend zu stoppen, würde als Ultima Ratio nur noch bleiben, die Märkte in Gänze zu schließen, bis sich die Situation wieder beruhige. Kurz nach Veröffentlichung der Verlautbarung öffnete der Handel für den S&P 500-Future. Dieser sackte umgehend deutlich ab, der Handel wurde bis zur Markteröffnung ausgesetzt.

Wir wissen, dass die Volkswirtschaften im aktuellen Umfeld Probleme haben werden. Die meisten Investoren dürften ihre Bewertungsmodelle bereits entsprechend anpassen. Am Montag (16.03.2020) aber schien es so, als würden fundamentale Überlegungen keine Rolle mehr spielen. Vielmehr schien sich eine systemische Unsicherheit breit zu machen. Bleiben die Gesetzmäßigkeiten des Marktes erhalten oder droht uns ein in Panik geborenes System zentraler Marktsteuerung? Werden Anleger auch weiterhin frei im Markt über ihr Eigentum verfügen können?

Ob Aussagen wie die von Finanzminister Steven Mnuchin, man werde alles dafür tun, um die Märkte offen zu halten, oder die von Stacey Cunningham, President der NYSE, sie glaube nicht, dass Marktschließungen ein gutes Mittel seien, zu einer nachhaltigen Beruhigung der Debatte beitragen können, wird sich noch zeigen. Die am Sonntag (15.03.2020) in den Fokus gerückte Systemdebatte stellt einen neuen Risikofaktor für die Märkte dar. Die ausgelöste Erschütterung könnte nachhallen. Jede Fortführung der Debatte kann Liquiditätsängste bei Investoren schüren und massive Auswirkungen auf die Märkte mit sich bringen.

Quellen: Bloomberg, eigene Berechnungen

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