Die FED drückt die Zinskurve glatt – alles wieder im grünen Bereich?

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

Wir erleben derzeit wieder eine Rückkehr zu Märkten, wie wir diese im Jahr 2017 erlebt hatten. Seit Anfang des Jahres entwickelten sich Aktienmärkte, Anleihemärkte, ja selbst Edelmetalle ausgesprochen positiv. Zugleich sinken die messbaren Marktrisiken weiter deutlich ab, und das mit einer erstaunlichen Kontinuität. Die Marktteilnehmer scheinen weltweit nur eine Wette zu kennen: “Kaufe alles, es wird schon gut gehen.”

Im Vergleich zu 2017 gibt es aber einige wesentliche Unterschiede in den begleitenden Rahmenbedingungen. Während die Konjunktur 2017 noch mit Volldampf voraus fuhr, sehen wir aktuell deutliche Bremsspuren. Zugleich ist das Zinsniveau in den wichtigsten Währungsgebieten heute deutlich niedriger als noch 2017. Die Geldpolitik hat ihre Mittel bereits stark ausgereizt. Robert Holzmann, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, bescheinigte der Geldpolitik in einem Interview für Bloomberg das Ende ihrer Wirksamkeit bezüglich positiver Impulse für Volkswirtschaft und Inflation.

Mitte September war die US-Zinskurve noch invers, für viele Kommentatoren das deutlichste Zeichen einer kommenden Rezession. Eine der Ursachen lag auch in einer angespannten Situation am US-Geldmarkt. Um diese Situation zu entschärfen, pumpte die Fed zunächst ab 16.09. über 200 Mrd. USD über Repo-Geschäfte in das Banksystem. Seit Mitte Oktober ist sie dazu übergegangen, bis zu 60 Mrd. USD pro Monat an Liquidität über den Aufkauf kurz laufende Staatsanleihen (sog. T-Bills) in die Märkte zu drücken. Vergleicht man die US-Zinskurven vom 16.09. und von heute, sieht man, wie sich die US-Zinskurve gedreht hat. Der Spread zwischen 3 Monaten und 10 Jahren Laufzeit stieg von -15 auf +33 Basispunkte. Es ist gut zu erkennen, wie das kurze Ende sich verschoben hat, während die langfristigen Renditen nach einiger Volatilität wieder dort sind, wo sie auch damals schon standen. Für den flüchtigen Betrachter, immerhin, sieht die Zinskurve wieder steil aus.

Keine Inversion = deutlich reduziertes Rezessionsrisiko. Alles grün, also? Bedrohlich wirkt dabei die Erkenntnis, dass anscheinend nicht einmal der Geldmarkt in den USA ohne Intervention der Fed funktionsfähig ist. Das ist ein außerordentlich kritisches Indiz für den aktuellen Zustand der Kapitalmärkte. Dies ist keine gute Entwicklung. Und, wo alle Assets gleichzeitig steigen, da können auch alle Assets gleichzeitig fallen. Einen Vorgeschmack darauf konnten wir im Q4 2018 erleben.

Renditekurven von US-Staatsanleihen (Quelle: Bloomberg)
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