Wenn die Musik aufhört zu spielen…

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von Geyu Ji, Portfoliomanagerin Quant.Capital Management GmbH, Düsseldorf

In den letzten Tagen haben sich die Aktienmärkte in Europa, den USA und den Schwellenländern kurzfristig erholt, und die Risikodynamik hat abgenommen. Am 15. Oktober fing die Berichtssaison am US-Aktienmarkt an. Bis zum 16. Oktober haben 37 Unternehmen des S&P 500 Index ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2019 vorgelegt. Eine Reihe optimistischer Finanzberichte ließ die Anleger ihr Vertrauen zurückgewinnen. Die wichtigsten US-Indizes stiegen deutlich an und erreichten die höchsten Schlussstände seit drei Wochen. Neben den guten Unternehmensnachrichten und einer möglichen Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China, begrüßten die Anleger auch die Nachricht, dass Großbritannien und die EU vor dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in dieser Woche möglicherweise eine Einigung zum Brexit erzielen werden.


Auf der anderen Seite veröffentlichte der Internationale Währungsfonds am selben Tag die neueste Ausgabe des World Economic Outlook Report in Washington. Dem Bericht zufolge hat sich das globale Wirtschaftswachstum verlangsamt, und die Aussichten sind ungewiss. Daher wird die Wachstumsschätzung für die Weltwirtschaft im Jahr 2019 auf 3% gesenkt. Im Juli dieses Jahres lag diese noch bei 3,2%. Dies ist der niedrigste Stand seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Der IWF geht davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum der Industrieländer in diesem und im nächsten Jahr auf 1,7% verlangsamen wird. Das Wirtschaftswachstum der USA in diesem und im nächsten Jahr solle bei 2,4% bzw. 2,1% liegen, womit das von der US-Regierung festgelegte Wachstumsziel von 3% nicht erreicht würde. Für die Schwellenländer nimmt der IWF ein wirtschaftliches Wachstum in diesem und im nächsten Jahr von 3,9% bzw. 4,6% an, was die mangelnde Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft unterstreicht. Abb. 1 zeigt die Entwicklung von Gewinn- und Umsatzschätzungen für den S&P 500 und den EuroStoxx 50. Seit nunmehr einem Jahr hält nun die Pfad negativer Revisionen an.


Ergänzt wird das Bild durch die weiterhin historisch hohen Rückkäufe von US-Aktien, wie man in Abb. 2 erkennen kann. Das Rückkaufvolumen erreichte zu Beginn des Jahres 2008, bevor die Finanzkrise in ihre heiße Phase ging, ihren Höhepunkt. Gegenwärtig hat das Rückkaufsvolumen das Niveau von 2008 sogar überschritten. Der Wohlstand der US-Wirtschaft und die Steuersenkungen der Trump-Regierung haben zu einem deutlichen Anstieg des Gewinns nach Steuer von Unternehmen geführt. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus haben Unternehmen den Rückkauf ihrer eigenen Aktien stark erhöht. Fangen die Unternehmensgewinne aber an zu fallen, drohen auch die Rückkäufe deutlich abzunehmen. 2008 wurde diese Entwicklung von einem Absturz des Aktienmarktes begleitet. Wenn sich die Konjunktur verlangsamt, drohen die Unternehmensgewinne zu sinken. Wie werden die Märkte heutzutage auf einen Rückgang der Rückkäufe reagieren?

Quelle: FactSet, Bloomberg

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