Bärenmarktrally am Scheitelpunkt

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

Die Risikodynamik lässt seit einiger Zeit langsam nach. Das ist für sich genommen noch kein Zeichen für eine Entspannung an den Märkten. Zwar lassen die meisten Risikomaße tatsächlich etwas nach, aber all das geschieht auf sehr hohen Niveaus. Die abfallende Dynamik signalisiert dagegen, dass sich die Märkte nach dem rasanten Anstieg der Risiken seit Mitte März langsam an dieses Niveau „gewöhnen“. Es überrascht uns daher nicht, dass die Allokationsgrenzen für die meisten Beispielstrategien weiterhin sehr niedrig bleiben – mit Ausnahme von US-Staatsanleihen, die bislang ausreichend Risikokapital aufbauen konnten.

Genau hierin liegt für die meisten Investoren das Problem. Die meisten Risikomärkte sind seit ihren jüngsten Tiefstständen stark angestiegen. Bewertungsadjustiert bewegen sich einige Aktienmärkte wieder entlang historischer Höchststände. Historische Höchststände in Zeiten historisch hoher Arbeitslosigkeit in den USA? In einem Umfeld, in dem die Fed seit Mitte März ihre Bilanz um etwa 10% des nationalen BIP ausgeweitet hat und die Zinsen historisch tief sind, erscheint nichts unmöglich. TINA, eben. Doch wie geht es weiter?

Die meisten Fondsmanager in den USA haben noch immer sehr hohe Cash-Quoten in ihren Portfolien. Und, die Fed ist mit dem Gelddrucken noch nicht am Ende. Im Gegenteil, bereitet die Fed gerade ein weiteres „Hilfsprogramm“ vor. Diesmal sollen großen Unternehmen 500 Mrd. USD an Liquidität zugeschoben werden – ohne Bedingungen. In diesem Umfeld ist die Chance groß, dass die Aktienkurse ausgehend von den USA weiter angetrieben werden. Die Realwirtschaft, zumindest die reale Realwirtschaft ohne „Vettern“ in der Fed, sieht sich derweil massiven Gewinnrückgängen und der Gefahr einer Solvenzkrise gegenüber stehen.

Die Aktienmärkte befinden sich an einem Scheitelpunkt. Diese Spannung erreicht gerade einen Höhepunkt. Institutionelle Portfolien müssen nun mit zwei Gefahren umgehen: den möglichen baldigen Aufschwung zu verpassen einerseits, in eine Solvenzkrise hineinzuschlittern andererseits.

Quelle: Bloomberg

 

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