Aktieninvestoren sollten Angst vor aktiven Anlegern haben

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

In unserer Ausgabe des Risk Trackers vom 2. Oktober dieses Jahres wiesen wir auf eine Besonderheit in der Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte über die vergangenen Jahre hin: Die globale Aktienmarktrally der vergangenen fünf Jahre wurde überwiegend aus der starken Entwicklung von US-Aktien gespeist, und hier wiederum insbesondere durch Unternehmen des IT-Sektors.

In der Folge haben sich innerhalb der Aktienindizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, deutlich sichtbare Konzentrationsrisiken gebildet. Die bereits angesprochene, mit weit über 60% sehr hohe Gewichtung von US-Aktien im MSCI World ist das sichtbarste Zeichen. Es ist auch nicht das größte Problem für Investoren, da die regionalen Gewichte bei der Gestaltung der eigenen Allokation gut berücksichtigt werden können. Ebenso können für Risikomanagement-Strategien die Gewichte im Hedge-Portfolio unkompliziert angepasst werden.

Deutlich problematischer sind die Konzentrationsrisiken auf einer tieferen Ebene, nämlich bei den Gewichten der Einzeltitel. Wir haben die Situation am Beispiel des S&P 500 Index untersucht. Der Index ist weit weniger gut diversifiziert, als dies viele Anleger vermuten dürften. Insbesondere für passive Anleger ergeben sich Konzentrationsrisiken, die man bei flüchtiger Betrachtung in einem Index mit 500 Einzeltiteln nicht erwarten würde.

Der IT-Sektor macht über 22% des Index aus. Der Sektor selbst ist bereits stark konzentriert. Die fünf größten Unternehmen im S&P 500 Index sind IT-Unternehmen. Allein diese fünf Unternehmen machen zusammen sagenhafte 16,5% des gesamten Index aus! Für das mögliche Verhalten des Index in einer kommenden Krise kann diese Konzentration signifikante Folgen haben. Eine größere Marktkorrektur ging historisch oft mit einer Rotation raus aus Wachstumstiteln einher. Die starke Konzentration der IT-Titel (und die damit geringere Diversifikation) lassen den Index besonders anfällig für Marktkorrekturen erscheinen, insbesondere wenn aktive Investoren anfangen sollten ihre Aktienportfolien defensiver zu stellen.

Quelle: Bloomberg, Eigene Berechnungen

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