Die Finanzmärkte schalten auf Optimismus – „Fear Of Missing Out“?

 In Allgemein

Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

Weniger schlechte Wirtschaftsdaten für Q3 in Deutschland, Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie einige positive Überraschungen in der aktuellen Berichtssaison sorgen weiterhin für Optimismus an den Märkten. Das zeigt sich an der nochmals reduzierten Risikodynamik der meisten Marktsegmente. Mittlerweile sind risikoseitig auch die Indikatoren für alle Aktienmärkte im tiefgrünen Bereich angekommen. Dazu passt, dass S&P 500 Index und EuroStoxx 50 Index gerade neue Jahreshochs markierten, während der Goldpreis leicht rückläufig ist (jetzt ca. 1464 USD, seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus).

An den Volatilitätsmärkten zeigt sich der neue Optimismus besonders stark. Der VIX liegt historisch gesehen wieder sehr tief (s. Abb. 4), für den europäischen V2X ergibt sich ein ähnliches Bild. Auch die realisierte Volatilität ist historisch niedrig (s. Abb. 2 und 3). Besonders deutlich wird die Marktverfassung, wenn wir uns die Nettoposition bei den Volatilitätsfutures ansehen (Siehe Abb. 1). Diese weisen eine historische Rekord-Netto-Short-Position aus. „Dead Calm“.

Nachdem in der vergangenen Woche schon Robert Holzmann, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, der Geldpolitik in der Eurozone bescheinigte ihre Mittel weitgehend ausgereizt zu haben, schlug nun Fed-Chairman Jerome Powell in die gleiche Kerbe. Powell warnte, dass die Verschuldung der USA schneller als die Wirtschaft wüchse und die Werkzeuge der Fed zur Reaktion auf die nächste Rezession begrenzt seien.

Leitzinssenkungen wie in früheren Rezessionen (ca. 5%-Punkte) seien nicht mehr möglich. Schlimmer noch, könnten die steigende Verschuldung und das Defizit „die Fähigkeit der fiskalpolitischen Entscheidungsträger einschränken, die Wirtschaft während eines Abschwungs zu unterstützen“. Klingt das beruhigend? Auf der anderen Seite der Welt zündelt die chinesische Führung am Pulverfass Hong Kong und riskiert einen ökonomischen Flächenbrand: https://www.scmp.com/comment/opinion/article/3037579/beijings-plans-tighten-its-grip-hong-kong-could-spell-end-chinas Was sagt die extreme Ruhe darüber aus, in welchem Szenario die meisten Kapitalmarktteilnehmer leben? Reflektiert man paradiesische Zustände oder eher die Ruhe des Death Valley?

 

Quelle: Bloomberg, Eigene Berechnungen

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