Wir leben in spannenden Zeiten …

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Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Quant.Capital Management GmbH.

… und die Spannung nimmt weiter zu. Insgesamt setzte sich die Beruhigung der vergangenen Wochen fort. Die gemessenen Risiken nahmen weiter ab. Die Risikodynamik schwindet aus dem System. Eine wichtige Ausnahme bilden dabei noch die US Staatsanleihen, wo wir auch weiterhin eine steigende Dynamik feststellen können (S. 23). Dieses Segment steht damit sinnbildlich für den Zustand vieler Märkte. Auf der einen Seite sind die Renditen historisch niedrig, während Regierung und Fed Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft treffen und somit die relative Attraktivität von Staatsanleihen senken. Auf der anderen Seite steigen die Zweifel an der Stabilität des Wirtschaftswachstums, was viele Anleger in diese vermeintlich sichere Anlageklasse treibt. In der Folge erleben wir eine Seitwärtsbewegung bei ansteigender Schwankungsbreite.


Wir können weltweit eine Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Rahmendaten beobachten. So steht z.B. in Deutschland der Ifo-Geschäftsklima-Index bei 94,6 – so tief wie zuletzt 2012. Die Geschäftserwartungen sind sogar auf einem Niveau, das wir zuletzt 2009 sahen. In den USA ist der ISM-Index seit einem Jahr in einem steilen Sinkflug und deutet mit 49,1 Punkten in Richtung Kontraktion. Laut Dienstleister CPB (cpb.nl) ist das weltweite Handelsvolumen in den vergangenen 12 Monaten um 0,9% gesunken – ohne Wachstum seit Anfang 2018. Die Frachtraten (Baltic Dry Index) sind seit Jahresbeginn im Rückwärtsgang.


Doch, was kommt davon an den Risikomärkten an? Die wichtigsten Aktienindizes bewegen sich nahe ihrer jüngsten Höchststände. Die Bewertungen sind weiterhin im historischen Vergleich hoch. Ob Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder auch Hochzinsanleihen, die Spreads sind im historischen Vergleich sehr niedrig. Laut Bloomberg haben die AuM, die insgesamt in High Yield-ETFs investiert sind, in dieser Woche sogar eine neue historische Höchstmarke erklommen. Die Entwicklung der Risikomärkte scheint sich immer stärker von der Entwicklung der volkswirtschaftlichen Rahmendaten zu entkoppeln. Allein das Zinsumfeld signalisiert Gefahr.


Dieser Zustand sorgt für ein hohes Maß an Spannung. Ich hatte einmal gelernt, langfristig würden sich immer die Fundamentaldaten durchsetzen. Seitdem habe ich mit Keynes gelernt, dass die Märkte länger irrational sein können, als wir solvent sind. Wie lange kann das dauern? Wir sehen zwei Szenarien, wie sich diese Spannung auflösen kann:

A) Die Fundamentaldaten verbessern sich deutlich und nachhaltig. Die Marktteilnehmer ahnten das und nahmen diese Entwicklung vorweg.
B) Die Risikomärkte sind irrational. Irgendwann wird das bemerkt, und die Marktpreise korrigieren entsprechend.

Als rationale Analysten würden wir nicht auf Szenario A wetten. Wir haben aber auch noch nie eine Zeit erlebt, in der die Welt derart mit Geld geflutet wurde. Wer würde es daher wagen dagegen zu wetten? So oder so: Langfristig setzen sich immer die Fundamentaldaten durch. Spannende Zeiten!

 

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