Vorsicht mit den Wünschen

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Von Ivan Mlinaric, Geschäftsführer Quant.Capital Management GmbH, Düsseldorf

Die Marktrisiken stabilisieren sich durch die Bank auf etwas erhöhten Niveaus. Wenn auch einige Marktkommentatoren von leichten Erholungen an den Aktienmärkten berichten, können wir dies aus Risikosicht nicht bestätigen. Im Gegenteil, haben die Zinsmärkte in dieser Woche wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet. Morgen (Donnerstag) dürfte der Zins-Tracker wieder viel tiefrote Farbe verwenden um neue Tiefststände anzuzeigen (www.zins-tracker.de). Da es also von den Risikomärkten nicht viel Neues zu berichten gibt, erlauben wir uns einen kleinen Denkanstoß zu einer anderen Debatte, die weitreichende Folgen für alle Investoren haben könnte.

Aktuell scheinen sich die Forderungen namhafter Ökonomen nach einem großen, schuldenfinanzierten Konjunkturpaket Deutschlands wieder zu häufen. Deutschland solle eine führende Rolle bei der konjunkturellen Entwicklung in der Eurozone einnehmen. Hinfort mit der schwarzen Null! Die Zinsen seien negativ, die Gelegenheit also günstig! Free Lunch für alle? Was aus fiskalpolitischer Sicht aussieht wie ein Fest für die Leichtigkeit des Seins, birgt aber für die Zinsmärkte eine große Gefahr: Wird das Angebot an Staatsanleihen am Markt deutlich vergrößert, kann das die Zinswende einleiten! 

Wir können an dieser Stelle etwas spekulieren. Wenn das schuldenfinanzierte Konjunkturpaket eine Wirkung im europäischen Kontext haben soll, müsste es wahrscheinlich zwischen 100 und 200 Milliarden Euro umfassen. Insgesamt haben Bund, Länder und Gemeinden derzeit Schulden von rund 2.000 Mrd. Euro, Tendenz fallend, so Eurostat. Laut Bloomberg beträgt die Summe aller ausstehenden deutschen Staatsanleihen etwa 1.650 Mrd. Euro. Wir sprechen also über eine mögliche Ausweitung des Angebots an ausstehenden Anleihen von etwa zehn Prozent. Diese Summen wären durchaus geeignet, die gesamte Zinslandschaft in Bewegung zu bringen. Viele von denen, die heute Bundesanleihen in großem Stil kaufen, dürften dies tun, um auf weiter sinkende Zinsen und damit steigende Kurse zu spekulieren. Diese Käufer dürften als erste aussteigen, wenn das Angebot an Anleihen spürbar ausgeweitet wird. Selbst eine entsprechende Ankündigung könnte als Fluchtsignal interpretiert werden.

Die Logik des Marktes ist dafür recht einfach. Das Angebot steigt, und zugleich sinkt die Nachfrage. Entsprechend fallen die Kurse, und die Renditen steigen. Da Deutschland als Benchmark für die Eurozone dient, wäre ein Anstieg der Renditen in der gesamten Eurozone anzunehmen, mit den bekannten Folgen für die Fähigkeit der südeuropäischen Staaten ihre Schuldenberge zu sanieren. Nicht auszudenken, wenn ansteigende Zinsen die Solvenz dieser Staaten reduzierten und sich in der Folge, logisch, die Spreads ausweiten. Was für ein Schlamassel! Im Kern, aber, träfen höhere Zinsen die Konjunktur.

Ein erneutes Aufflammen der Eurokrise und eine zinsinduzierte Konjunkturbremse können den Effekt eines Konjunkturpakets in sein Gegenteil verkehren. Wir geben zu, dass die Folgen nicht so stark sein müssen wie hier skizziert. Es wäre denkbar, dass der Markt auch ein um zehn Prozent höheres Angebot an Anleihen problemlos verdaut, und die Zinsen weiter fallen. Sollten Sie demnächst Teil einer Diskussion zu diesem Thema sein, fragen Sie die Befürworter der der Neuverschuldung einmal, welches dieser beiden Szenarien die eigenen Modelle einfließe. Auf die Antwort wären wir gespannt.

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