Teil 1: Entwicklung einer Options „Income“-Strategie (OIS)

 In Allgemein

von André Rogalski, Senior Portfolio Manager der Quant.Capital Management GmbH, Düsseldorf

Teil 1: Grundsätzliches und Aufbau der Strategie

Wir wollen uns in den nächsten Wochen vermehrt Optionsstrategien widmen, die mehrheitlich zu den
sogenannten „Income Trades“ zählen. Die vielen Fragen, die uns erreichen, haben uns sehr gefreut
und daher wollen wir mit dieser Ausgabe damit beginnen, einmal einen systematischen Prozess
darzustellen, in dem die „income strategies“ (OIS) genauer vorgestellt, analysiert und evaluiert werden
sollen. Der Aufbau der Analyse beginnt heute mit dem Titel des obigen 1.Teils. In den Folgewochen
werden wir dann immer tiefer in die Materie einsteigen und wollen auch historische Backtests oder
kurzfristige Bewertungsentwicklungen innerhalb einer Woche vorstellen.


Doch beginnen wir zunächst noch einmal mit den sogenannten Grundlagen:


Die Basis einer jeden „Income Strategie“ ist das sogenannte Theta (Zeitwert), welches verdient wird,
wenn man Optionen verkauft. Dabei soll eine OIS ein langfristiges, kontinuierliches Einkommen
generieren. Geht das überhaupt? Wäre das nicht der sogenannte „heilige Gral“ an der Börse? Wir
werden hierbei in den Folgewochen untersuchen, wo Chancen und Risiken liegen. Sowohl bei
statischen OIS als auch dynamischen OIS. „Dynamisch“ meint in diesen Zusammenhang eine möglichen
Anpassung oder Auslenkung („Reparaturstrategie“ oder engl. „follow up“) der Strategie, wenn im
Markt Bewegung kommen sollte. Denn eines ist bei OIS immer klar: Am besten ist es, wenn „nichts
passiert“. Das wird klar, wenn wir uns das Auszahlungsprofil einer Call Option anschauen:

Der DAX steht heute z.B. bei 11.469 (siehe Bild oben) und wir haben – theoretisch – einen 11.500er
Call (Laufzeit 31 Tage) gekauft (aktueller Preis 176.20 €; Investitionssumme für 1x RMP = 176.20 *5 *5
= 4405 €). Die durchgezogene blaue Linie zeigt den heutigen Profit/Loss Verlauf, wenn der Markt steigt
der fällt.

Es ist klar, dass bei steigenden Markt verdient wird (wir haben ja schließlich einen Call
gekauft) und umgekehrt. Doch diese Aussage gilt nur für heute! Zum Laufzeitende am 17.02.17 gilt die
gestrichelte blaue Linie. Und sie verläuft deutlich tiefer, denn bei einem 11.500er Call verdienen wir
erst (zum 17.02.), wenn der Markt über 11.500 plus unsere bezahlte Prämie (176.20) hinaus steigt.
D.h. also, erst ab 11.676,20 beginnt unsere Gewinnzone zum 17.02.17. Zum jetzigen Zeitpunkt
(11469.13) muss der DAX also noch satte 1.8% ansteigen, damit wir zumindest break even den Trade
verlassen können.

Im Bild 1 haben wir zwei rote Pfeile eingezeichnet, die verdeutlichen sollen, dass
der aktuelle Zeitwert (Theta) bis zum 17.02. um 13:00 Uhr (Auslauf der Option) auf Null zurückgehen
wird. Denn zum Auslaufen der Optionen wird die Option nur noch zum inneren Wert gehandelt (wenn
sie denn über 11.500 notiert und somit einen inneren Wert hat). Diese Differenz zwischen den beiden
blauen Linien im Bild 1 ist das Theta (Zeitwert), welches wir bei OIS als Einkommensquelle definieren
können. Wenn wir die obere Option kaufen sind wir Theta short, doch bei OIS wollen wir immer Theta
long sein!
Daher ist der Erwartungswert (EW) beim Kauf dieser Option – zu diesen Bedingungen – entsprechend
negativ. Dies sehen wir in Bild 2, in dem der EW für die nächsten Tage angegeben wird:

Um noch eine gewisse Optionsbasis (Grundlagen) zu legen, benötigen wir zuerst einmal die Definition
von den sogenannten „Griechen“:
Bei Optionen misst das Theta den Zeitwertverfall einer Option. Das Theta gibt an, wie viel eine
Option, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben (ceteris paribus), in einem bestimmten Zeitraum
an Wert verliert. In der Praxis wird etwa der prozentuale Wertverfall pro Woche verglichen.
Delta misst die Preisänderung einer Option im Verhältnis zu einer Preisänderung des Basiswertes.

Diese Definition bezieht sich auf die Veränderung der Option bei einer Bewegung im Preis des
Basiswertes. Dabei wird von einem An- oder Abstieg des Kurses um jeweils 1 Einheit (z.B. 1 €)
ausgegangen. Ein Anstieg des Underlyings (z.B. eine Aktie) wird nicht unbedingt im Verhältnis 1:1
erfolgen. Das Delta gibt dann an, wie stark dieser An- oder Abstieg der Option im Verhältnis zum
Underlying tatsächlich ist. Alle anderen Preisfaktoren werden dabei als unverändert angesehen.
Das
Vega einer Option bezieht sich wiederum auf die Veränderung der Volatilität
(Schwankungsbreite) des Underlyings und gibt Orientierung wie sich der Preis der Option in diesem
singulären Zusammenhang verändert.

Weitere Griechen wie Gamma (misst die Beschleunigung des Deltas) und Rho (Zinseffekt) wollen wir
an dieser Stelle erst einmal vernachlässigen.
Entscheidend bei OIS ist also hierbei, dass das Theta unsere Einnahmequelle ist und das Delta, Gamma
und das Vega Risiken aufzeigen, die in einer dynamischen Strategie gemanaged werden müssen (wir
bekommen dafür das Theta).

Denn eines sollte auch jetzt schon klar sein: Der sogenannte „nackte
Verkauf“ des obigen Calls ergibt keinen Sinn. Das Risiko beim Schreiben von Optionen ist bekanntlich
unbegrenzt und sollte entsprechend in die Strategie eingepflegt werden. Daher werden wir
sogenannte Standard Optionsstrategien wie den double diagonal, butterfly oder den iron condor
vorstellen, doch auch hybride Strategien werden am Ende dieser Artikelserie vorgestellt werden. Es
stellt sich hierbei natürlich immer die Frage, wo wir den Vorteil des positiven Thetas am besten
ausnutzen können

 

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