Volatilität: Die Ruhe vor dem Sturm

 In Allgemein

von Alexander Schroer, CFA, Leiter Portfoliomanagement

In den Schlagzeilen der vergangenen Wochen war viel vor gestiegenen Risiken gewarnt worden. Auffällig viel, wahrscheinlich auch bedingt durch die politischen Unsicherheiten rund um Brexit, Trump & Co. Die Märkte sprechen hier allerdings eine andere Sprache: Die Schwankungsbreite, die Ausschläge der Kurse, ist auf einem Tiefpunkt, seit 1999 gab es nur 15 Handelstage mit noch geringerer Volatilität.

Der VSTOXX, der die implizite Volatilität von Optionen auf europäische Aktien abbildet, befindet sich nahezu auf einem Allzeittief (s. Grafik). Die Angst der Marktteilnehmer ist also gering, und Absicherungen über Optionen sind zu Schnäppchenpreisen zu haben. Marktbeobachtern zufolge verfolgen wieder viele Marktteilnehmer Strategien, die Geld verdienen, wenn die Volatilität sinkt beziehungsweise auf dem niedrigen Niveau verharrt.

Aber wie geht es weiter? Haben die Notenbanken dafür gesorgt, dass es keine Marktkorrektur mehr geben wird? Sind die Risikoprämien auf dem aktuellen Niveau adäquat bepreist? Aber viel wichtiger: Wie lange bleibt dieses Umfeld erhalten, in dem sorgenfrei investiert werden kann? Wenn man davon ausgeht, dass Marktmechanismen zeitnah wieder greifen werden, ist der Preis für eine Absicherung derzeit günstig.

In der letzten Phase so geringer Volatilität kam dann eine sehr schnelle Gegenbewegung: im Februar 2018 führte ein plötzlicher Volatilitätsanstieg zu starken Marktverwerfungen und Kursverlusten bei Aktien. Möglicherweise handelt es sich bei der jetzigen Niedrig-Vola-Phase also um die Ruhe vor dem Sturm.

 

Quelle: Bloomberg

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